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Big Foot
Es war ein kalter Wintertag und Ulrike hatte urplötzlich Lust verspührt, auch mal einen Teddybären zu nähen, einen ganz kleinen. Flugs griff sie sich ihr Nähkästchen und nähte drauf los. Kurze Zeit später war der kleine Teddy fertig, ein winzig kleiner, rosa Teddybär aber zu ihrem grossen Entsetzen mit viel zu grossen Füssen und einem zu kleinen Kopf. "Was habe ich denn da nur zusammengenäht?" fragte sie sich entsetzt, "du bist ja einfach nur hässlich, von Grund auf hässlich!". Ulrike war so enttäuscht über ihren Teddy, dass sie sich weigerte ihm in die Augen zu sehen und so bekam sie auch keine Verbindung zu ihm. Zu allem Überfluss sahen auch noch ihre Freundinen diesen Teddybären und brachen in schallendes Gelächter aus. "Jetzt reicht’s!", fluchte Ulrike und warf den kleinen Teddybären in die Mülltonne.
Gegen Abend frischte der Winterwind auf und die Böen erreichten vereinzelt Sturmstärke, sodass die Mülltonne vor dem Haus umfiel und der kleine Teddybär traurig die Flucht ergriff. Traurig ging er durch die Strassen und verdrückte immer wieder Krokodilstränen, denn ein Teddybär lebt davon, geliebt zu werden, als "Gegenleistung" gibt er seinem Besitzer ALLES, wie wir ja aus vorangegangenen Geschichten wissen. Wenn ein Teddy jedoch verstossen und dazu noch als "hässlich" beschimpft wird, dann bricht es ihm das Herz und in den meisten Fällen stirbt ein Teddy daran.
Der kleine Teddy wusste nicht, wie lange er durch die kalte Nacht geirrt war, aber es musste sehr lange gewesen sein, denn es dämmerte bereits und er war hoffnungslos durchgefroren, als er an ein grosses Gebäude kam. Es war ein Gebäude wie eine Schule, eingezäunt mit einem grossen Grundstück. Der kleine Teddybär setzte sich erschöpft auf die Stufe vor der Eingangstür um ein wenig auszuruhen. Einige Zeit später kamen von allen Seiten merkwürdige Autos angefahren und die Insassen wurden entweder in Rollstühlen herausgeschoben oder sie stolperten aus eigener Kraft mehr oder weniger uncoordiniert auf das Haus zu. Einer dieser Insassen bemerkte den traurigen Teddybären und hob ihn sanft auf. "Was bist du den für ein goldiger Teddybär!", sagte er. Der Teddy sah ihn fassungslos an, "Ich bin nicht goldig, ich bin abgrundtief hässlich." Der "Insasse" schaute den Teddy mit gutmütigem Blick an, "wer hat dir denn diesen Unsinn erzählt? Wie heisst du eigentlich? Ich heisse Robert." Fragend sah ihn der kleine Teddy an, meinte der das jetzt ernst, oder wollte er ihn nur aufmuntern? "Ich bin so hässlich, das man mir noch nicht einmal einen Namen gegeben hat. Mein Kopf ist zu klein und meine Füsse sind zu gross und bevor ich einen Namen bekommen konnte, bin ich schon in die Mülltonne geworfen worden." Roberts Mine verfinsterte sich, irgendwie kam ihm das bekannt vor, "Weisst du, ich bin auch nicht so, wie es sich die sogenannte Gesellschaft vorstellt", Robert zog die Hosenbeine hoch und zeigte auf zwei Beinprothesen, "ich habe gar keine Füsse und auch ich bin, wie wir alle hier, irgendwie weggeschmissen worden. Wir passen nicht in das Allgemeinbild, aber sind wir deswegen wirklich weniger wert? Ich sag dir was, du bist jetzt mein Big Foot, und was ich an Füssen zu wenig habe, hast du zuviel und so ergänzen wir uns hervorragend."
Wie es weiter geht und weitere Teddygeschichten lesen sie im Buch "Geschichten aus dem Teddydorf", erschienen im Edition Nove Verlag (siehe in der Rubrik "Buch kaufen").
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