Die Heimkehrer

Emil hatte an diesem Tage Dienst am Eingangstor zum Teddydorf und er traute seinen Augen nicht, als er 222, 333, 444 und 555 auf das Dorf zukommen sah. Die vier hatten doch letzte Woche gerade erst die Reise zu ihren neuen Teddymamas angetreten. Was machten sie nun schon wieder hier?

„Lass uns durch", forderten sie Emil im Chor auf, „"wir sind ja schliesslich keine Unbekannten!" Das wohl nicht, aber dass sie zur gleichen Zeit Urlaub machten und das bereits so kurz nach ihrer Vermittlung, das war eher unwahrscheinlich. „Wieso seid ihr schon wieder zurück?", wollte Emil wissen. „Wir sind getürmt", antwortete 222, „abgehaun, die Fliege gemacht", ergänzte 333. Emil konnte es nicht glauben, dass verstiess gegen sämtliche Teddyregeln und soetwas hatte es in der Geschichte des Teddydorfes noch nie gegeben. Aber was auch immer vorgefallen war, das durfte nicht sein. Ein Teddy darf nicht einfach ausreissen. Ein typischer Fall für den Ältestenrat, nur dummer Weise war der Dorfälteste gerade auf einer Tagung der VTD (der Vereinigten Teddy Dörfer) und so rief er Michael, seinen Stellvertreter herbei.

 

„So, und nun mal der Reihe nach", forderte Michael die Ausreisser auf, „jetzt erzählt mal, was denn so schreckliches vorgefallen ist, dass ihr sämtliche Teddyregeln über den Haufen geworfen habt und einfach ausgerissen seid." „Schau dir doch nur unsere Pfoten an", jammerte 555. „Ganz durchgewetzt vom vielen Laufen", erklärte 444. „Hier hatten wir immer einen von Jack’s FIATs (FIAT = Fahrzeuge Im Auftrag Teddydorf)", winselte 222, „aber da, wo wir hin vermittelt wurden", ergänzte 333, „da müssen wir alles zu Fuss erledigen." Michael wollte nicht glauben, was er da hörte, „ihr wollt mir doch wohl nicht erzählen, dass ihr weggelaufen seid, nur weil ihr nicht mehr Autofahren könnt". „Doch!", trotzte 333. Michael schnaufte einmal tief durch, „Autofahren ist ein absolut teddyuntypischer Luxus, den es nur bei uns im Dorf gibt. Es ist normal, dass Teddybären kein Auto zur Verfügung haben. Freut euch, dass ihr es mal gehabt habt. Da hattet ihr mehr, als andere Teddys je haben werden. Jetzt habt ihr eure Familien und damit ist Schluss mit autofahren! Wir sind Teddybären und Teddybären haben nun einmal kein Auto und damit basta!" „Pöh!", motzte 444, „wir hatten ein Auto und wir wollen es eben nicht mehr missen. Ebenfalls basta! Den Menschen kannst du das Auto ja auch nicht mehr weg nehmen". Michael war der schieren Verzweiflung nahe, ausgerechnet diese Woche musste der Dorfälteste auf der Tagung sein. „Wir sind aber keine Menschen wir sind Teddybären und als Teddybären..."startete er einen erneuten Versuch seinen Standpunkt und den der gesamten Teddyheit darzulegen, als er schon wieder unterbrochen wurde, „wir sind aber von Menschen und menschlich gemacht. Also sind wir wie Menschen und wollen autofahren". Man konnte Michael die Verzweiflung und Hilflosigkeit ansehen, aber er hatte nun einmal den Vorsitz des Ältestenrates inne und musste eine Lösung aus dem Ärmel zaubern, egal wie. Er holte abermals tief Luft um einen weiteren, hoffnungslosen Erklärungsversuch zu starten, doch dazu kam er nicht mehr. Abermals trat Emil ein, diesmal mit 777, 888 und 999 im Schlepptau. „Die nächsten Ausreisser", kommentierte Emil sein Auftreten und verschwand sofort wieder. „Lasst mich raten", seufzte Michael, „ihr seid wegen dem Auto abgehauen?" Die drei nickten. Michael sackte sichtlich in sich zusammen. „Das ist ja schlimmer als eine Epidemie! Das verdanken wir alles nur Jack. Genau! Jack hat uns mit den Autos die Suppe eingebrockt, soll er sie doch auch auslöffeln!"

Sofort liess er Jack herbeirufen.

„Dir verdanken wir diese ganze Miesere", begann Michael sogleich als Jack eintraf, „hättest du diese Autos nicht gebaut, hätten wir jetzt dieses Problem nicht!" Jack war sich keinerlei Schuld bewusst, im Gegenteil, er wusste genau, dass hier nur ein Sündenbock gesucht wurde, aber gut. „Ich habe die Autos nicht erfunden. Sie waren schon vor mir da, wenn du dich recht erinnerst. Die Autos und ein Berg von Altbatterien. Ich habe das Auto lediglich perfektioniert und erst durch meine FIATs umweltfreundlich gemacht. Aber gut, nimm den Dorfbewohnern das Auto wieder ab. Das schafft jedoch schlechte Laune und die ist hier per Teddygesetz verboten. Das weisst du so gut wie ich." „Ja, ja, ja", winkte Michael ab, „das weiss ich alles selber, aber damals, als die Autos noch umweltfeindlich waren, hätten die Teddys es vielleicht irgendwann eingesehen, dass das Auto schlecht ist, aber jetzt? Dank deiner umweltfreundlichen FIATs kann man keinem mehr erzählen, dass die Autos schlecht wären. Ergo ist es doch deine Schuld." Jack musste lachen, „dreh es wie du willst, ich habe lediglich das Dorf mit meinen sauberen Autos vor einer Umweltkatastrophe bewahrt. Das hier ist dein Bier, du führst den Vorsitz des Ältestenrates." „Genau!", Michael stampfte trotzig wie ein Jungbär auf, „Ich führe den Vorsitz des Ältestenrates und als Chef bestimme ich, dass du eine Lösung finden wirst. Die Sitzung ist geschlossen. Wir sehen uns morgen wieder. Lass dir was einfallen!"

Ärgerlich trottete der sonst stets gut gelaunte Jack zurück zu seiner Werkstatt. „Der macht es sich wirklich einfach!", fluchte er vor sich hin und kickte eine leere Wilderdbeersaftdose wütend über die Hauptstrasse, „am Ende soll ich jetzt wohl anfangen schlechte Autos zu bauen. Das könnte dem so passen!"

Den ganzen Abend tüftelte Jack Ideen aus, wie er das Problem lösen könnte. Er könnte statt des Solarantriebs einen Aufziehmotor oder Tretantrieb einbauen. Damit wäre das Auto nicht mehr so bequem und man würde es nicht mehr so vermissen. Damit würde er aber auch gleichzeitig schlechtere Autos bauen und das wiederum ging gegen sein Prinzip und gegen seine Ehre.

Es war bereits spät in der Nacht und Jack grübelte noch immer über dem Problem, als der 08/15-Bär die Strasse herunter schlenderte. Er konnte nicht einschlafen und beschloss einen Spaziergang zu machen. Als er bei Jack noch Licht in der Werkstatt sah, trat er ein.

„Na, Jack, kannst du auch nicht schlafen? Muss an der Schwüle liegen". Jack schüttelte mit dem Kopf, „es ist nicht die Schwüle, es ist, weil Michael ein Problem hat und mir die Lösungsfindung auf’s Auge gedrückt hat." Jack berichtete dem 08/15-Bären von den Heimkehrern und der Miesere mit den Autos. „Ich kann doch nicht anfangen miese Autos zu bauen. Das mach ich nicht! Aber mache ich es nicht, wollen die Teddys nicht mehr drauf verzichten. Ich werde wahnsinnig!" Der 08/15-Bär schmunzelte, „Jack, du denkst zu kompliziert..."

 

Wie Jack und der 08/15-Bär das Problem der Heimkehrer / Ausreisser lösen, wird im nächsten Teddybuch nachzulesen sein.