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Petrus' Deal
Es war am späten Nachmittag, als Fabian mitten auf der Strasse Herzschmerzen bekam und zusammen sackte. Die Passanten riefen zwar sofort einen Rettungswagen, der ihn innerhalb weniger Minuten ins nächstgelegene Krankenhaus brachte, doch er verlor kurz nach der Einlieferung das Bewusstsein. Die Ärzte leiteten sofort eine Notoperation ein, doch sein Zustand blieb kritisch. Etwa zwei Stunden später brach der Kreislauf völlig zusammen und die Ärzte begannen hektisch mit Reanimationsversuchen. Fabian jedoch verliess seinen Körper und schwebte durch einen langen Tunnel auf ein helles Licht zu. Am Ende des Tunnels erwartete ihn bereits ein Engel, der sich als Petrus vorstellte. "Dann bin ich also tot?", fragte er noch etwas unsicher und Petrus nickte. "Naja, auch nicht schlecht, immerhin bin ich im Himmel gelandet. Hab schon einiges darüber gehört, soll ja 'nen ziemlich cooler Laden sein, alles umsonst und so", versuchte er die Lage zu erheitern, doch Petrus blieb ernst. "Ob du wirklich hier im Himmel bleibst, das entscheidet das jüngste Gericht. Immerhin, du hast ein erschreckend dickes Sündenregister", sagte Petrus, während er in seiner Akte blätterte. Fabian verging das Grinsen, "na, so dick kann es doch gar nicht sein, und ich hab auch ab und zu der Kirche etwas gestiftet." Petrus nickte zustimmend, "ja das sehe ich, immer wenn du irgendwelchen Plunder entsorgen wolltest und dir die Entsorgungskosten zu hoch erschienen sind, hast du es grosszügig der Kirche gespendet. Dann haben wir hier noch diverse Fälle der Steuerhinterziehung..." "Aber das macht doch jeder!", unterbrach ihn Fabian, "und ausserdem, was macht denn der Staat mit der ganzen Kohle? Sinnlos verplempern tut er das Geld. Dafür war es mir einfach zu schade." "Es ist dennoch ein Betrug. Dann hast du Ehe gebrochen", fuhr Petrus unbeeindruckt fort und wurde abermals unterbrochen, "Mann, die paar mal, die ich meine Sekretärin gebumst habe, das gehört doch im Geschäftsleben dazu. Das erwartet man geradezu von einem erfolgreichen Geschäftsmann und ausserdem trifft sich meine Frau ja auch, trotz meines Verbotes, mit dieser schwulen Sau, diesem..." Jetzt reichte es Petrus aber entgültig, "Schuss jetzt!", brüllte er ihn an, "wir sind hier zwar von der Homosexualität nicht gerade begeistert, aber es sind dennoch alles Kinder Gottes und er liebt seine Kinder. Beschimpfungen dieser Art lassen wir hier nicht zu, ausserdem, auf diesen Joachim wollte ich sowieso gerade zu sprechen kommen. Er ist homosexuell, okay, aber wäre es dir wirklich lieber, er wäre hetero? Immerhin mag ihn deine Frau als Freund, wäre er hetero würde er sie dir vielleicht ausspannen und so wie du dich deiner Frau in den letzten Jahren gegenüber verhalten hast, hätte er wahrscheinlich sogar Erfolg damit." Fabian sah Petrus betroffen an, "Wie meinst du das? Na, ist ja auch egal, ändern kann ich sowieso nichts mehr, ich bin ja tot und im Himmel und sie hat jetzt ihre Ruhe vor mir und alle sind zufrieden." Petrus schüttelte den Kopf, "so einfach ist das nun auch wieder nicht, mein Freund, wie gesagt, ob du hier bleibst, das entscheidet das jüngste Gericht und dein Sündenrgister umfasst ja noch etwas mehr. Da war noch der vergammelte Schweinbraten im Kühlschrank. Deine Frau wollte ihn wegwerfen, aber du hast gesagt er sei noch gut und hast sie gezwungen, ihn mit dir zu essen. Als ihr dann mit einer schweren Fleischvergiftung ins Krankenhaus kamt, hast du behauptet, ihr hättet in Joachims Lokal gegessen und die Vergiftung dort bekommen. Bevor das Gesundheitsamt das Lokal inspizierte hattest du dort noch eine ganze Tüte voll Kakerlaken freigelassen. Joachim ist seit dem ruiniert und ist in die Slums abgedriftet." Die Sachlage entwickelte sich jetzt nicht unbedingt zu Gunsten von Fabian und er fragte Petrus verzweifelt ob er nicht einen Deal für ihn aushandeln könnte, doch der schüttelte mit dem Kopf, "das ist kein irdisches Gericht, hier gibt es keinen Deal. Du warst ein schlechter Mensch, sieh mal, selbst deine Frau, die bis zu dem Vorfall mit der Fleischvergiftung, trotz aller deiner Gemeinheiten, felsenfest hinter dir gestanden hatte, selbst sie ist jetzt nicht an deinem Krankenbett." Fabian sah durch das Guckloch auf die Erde, da war sein Körper in einem Bett auf der Intensivstation, angeschlossen an diverse Geräte und Schläuche. "Hey, ich bin ja gar nicht tot! Sieh mal die Geräte zeigen eine Herzschlagkurve, ich lebe noch und wenn ich noch lebe, was mache ich dann hier?" "Du bist lediglich reanimiert worden, aber du zeigst keinerlei Reue für deine Taten und deshalb werden wir dich sterben lassen. In wenigen Minuten werden die Geräte eine gerade Linie anzeigen und sie werden deinen Körper zudecken." Jetzt machte sich langsam aber sicher Panik in Fabian breit, "was soll das heissen, keine Reue? Du erzählst mir die ganze Zeit ich sei tot und es gäbe auch keinen Deal, ja was sollte ich denn tun? Ändern kann ich als Toter nichts mehr, das einzige was ich noch machen konnte, war eine Verteidigung aufzubauen."Petrus sah ihn nachdenklich an, "würdest du es denn anders machen, wenn du eine zweite Chance bekämst, eine zweite Chance, jedoch ohne jegliche Erinnerung an das, was sich hier oben ereignet hat?" Fabian seufzte, "ich weiss es nicht", sagte er eine ganze zeitlang später, "aber ich hätte doch wenigstens eine Chance, dies herauszufinden, verdient, oder?" Jetzt erstmals machte sich bei Petrus ein Lächeln auf dem Gesicht breit, "nein, verdient hast du diese zweite Chance nicht, aber du hast ehrlich geantwortet und deshalb bekommst du sie trotzdem."
So landete Fabian wieder auf der Erde, ohne jede Erinnerung an die Ereignisse im Himmel und 10 Jahre zurück in der Vergangenheit. Er landete genau auf der verhängnisvollen Geburtstagsfeier von Michaela, der besten Freundin seiner Frau. Die Vergangenheit wiederholte sich ein zweites Mal, wieder trat Michaela nach vorne und gab bekannt, dass sie nun in ein neues Jahrzehnt eintreten werde und dieses ohne die sie ständig quälende Lüge tun wolle. "Ich bin lesbisch!" sagte sie geradewegs heraus und man merkte wie ihr plötzlich leicht wurde, als es endlich heraus war. Wieder ging ein Raunen und ein Getuschel durch die Reihen und wieder überlegten sich die ersten eine Ausrede, warum sie jetzt urplötzlich ganz dringend gehen müssten, während andere wortlos aufstanden und in Richtung Ausgang maschierten. Einen feinen Unterschied zur "alten Vergangenheit" gab es jedoch.
Wie diese Geschichte ausgeht und weitere Kurzgeschichten zum Thema "Am Ende war der Anfang" vorraussichtlich ab 2009.
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